Marco Dohle (Autoren: Marco Dohle, Uli Bernhard & Gerhard Vowe)
Freitag, 9. Dezember, 17.30 Uhr
Ziel der Tagung ist es, die Debatte über den gesellschaftlichen Umgang mit neuen Medien voranzubringen. Insbesondere soll gefragt werden, wie die Rahmenbedingungen für die Nutzung von Online-Medien zu gestalten sind. Konkret wird nach Ansätzen und Argumenten zur Kontrolle neuer Medien gefragt. Soll es erlaubt sein, über Online-Medien unbeschränkt Inhalte zu verbreiten? Oder gibt es Gründe, den freien Fluss digitaler Information einzuschränken?
Der vorgeschlagene Vortrag wird daran aus der Perspektive einer sozialwissenschaftlich orientierten Kommunikationswissenschaft ansetzen. Im Zentrum steht die Frage, ob sich Vermutungen über den Einfluss von Online-Medien darauf auswirken, wie intensiv eine Einschränkung ihres Einflusses gefordert wird. Der Fokus liegt dabei auf vermuteten Einflüssen von denjenigen medialen Angeboten, die politische Informationen verbreiten. Zur Beantwortung der Frage können die Ergebnisse einer empirischen Untersuchung präsentiert werden, in der insgesamt 875 Personen aus verschiedenen Gruppen (u.a. Politiker, Bürger) befragt wurden.
Die Studie befasst sich folglich mit indirekten Medienwirkungen. Theoretische Ansätze in diesem Bereich liefern basale Aussagen darüber, unter welchen Umständen eine Beeinflussung anderer Personen durch Medien angenommen wird und welche Konsequenzen dies haben kann. Ein Ansatz ist dabei der Influence-of-Presumed-Media-Influence-Approach: Ihm zufolge werden die Einstellungen und das Verhalten von Individuen davon beeinflusst, welchen Einfluss auf andere Rezipienten sie den Medien zuschreiben. Ein weiterer Ansatz ist der Third-Person-Effekt: Dem Third-Person-Effekt zufolge glauben Individuen, dass Andere – die besagten dritten Personen – stärker als sie selbst von Medien beeinflusst werden. Diese Wahrnehmungsdifferenz hat, so die zweite zentrale Annahme, ebenfalls Konsequenzen für Vor- und Einstellungen und darüber hinaus auch für Verhaltensweisen.
Eine zentrale (abhängige) Variable im Hinblick auf die Folgen der vermuteten Medieneinflüsse ist die Forderung nach Zensurmaßnahmen. In diversen Studien konnte gemessen werden, dass Personen der Forderung nach einer Zensur von Medieninhalten dann eher zustimmen, wenn sie diesen eine höhere (und zugleich negativ bewertete) Wirkung auf dritte Personen zuschreiben als auf sich selbst – unabhängig davon, ob ihnen belastbare Informationen über tatsächliche Einflüsse vorliegen oder nicht. Überprüft wurde dies bislang vorrangig für traditionelle Medien. In der vorliegenden Untersuchung wurde dagegen gefragt, welcher Einfluss sowohl traditionellen Medien als auch den verschiedenen Online-Medien unterstellt wird. Dies wurde in Beziehung gesetzt zu Aussagen über die Notwendigkeit, den politischen Einfluss dieser Medien einzuschränken.
Als Ergebnis zeigt sich unter anderem: Der politische Einfluss von Online-Medien wird spürbar besser bewertet als der Einfluss traditioneller Medien. Dennoch lässt sich auch feststellen: Je größer der wahrgenommene Einfluss von traditionellen Medien oder Online-Medien auf andere Personen ausfällt, desto eher wird befürwortet, der jeweilige Einfluss solle eingeschränkt werden. Implikationen dieser Resultate sollen abschließend im Vortrag diskutiert werden.