Dietmar Kammerer
Freitag, 9. Dezember, 15.45 Uhr
Dass die Privatsphäre »am Ende« sei, kann man beinahe täglich lesen oder hören, wobei diese Diagnose manchmal mit Wehmut, manchmal mit freudiger Erwartung gestellt wird. Dabei ist es gerade die Insistenz diese Rede, die Skepsis wecken sollte: Was so oft für obsolet erklärt wurde, beweist immerhin gerade darin sein Beharrungsvermögen. Blickt man in die Geschichte, wird deutlich, dass die »Privatsphäre« zudem eit rund hundertvierzig Jahren als »abgeschafft« gilt – ihr Ende ist so alt wie der juristische Begriff von ihr. Regelmäßig sollen es die Medien sein, die der Privatsphäre den Todesstoß versetzen, dabei sind es gerade Medien, die Menschen voneinander distanzieren und folglich so etwas wie einen Rückzugsraum des Privaten erst einmal ermöglichen.
Der Vortrag skizziert Geschichten vom »Ende des Privaten« 1878-1970ff, wird dabei Fotografie, Film, Telefon, Zeitungen und Wünschelruten erwähnen und die Frage stellen, ob das, was da von neuesten ebenso wie alten Medien »beendet« wurde und wird, sich nicht durch und in diesen medial herbeigeführten Enden besser bestimmen lässt als in anderen gängigen (bspw. juristischen) Definitionen.