Control 3.0 – Wie kann man Kontrolle ausstellen?

Annabelle Hornung und Katrin Petersen
Freitag, 9. Dezember, 18.45 Uhr

Das Museum für Kommunikation Frankfurt plant zurzeit eine kulturhistorische Wechselausstellung, die sich mit der Kontrolle und Sichtbarkeit in und durch neue und neuste Medien befasst. Der Vortrag möchte die Herausforderungen ausloten, die sich gerade an eine Ausstellung dieses zeitgenössischen und sensiblen Themas stellen. Zugleich möchte er anhand historischer Beispiele und gegenwärtiger Phänomene das Spannungsfeld aufzeigen, das dem Verhältnis von Medien und Kontrolle innewohnt.

Das Phänomen der Überwachung und Kontrolle durch Medien steht bereits seit einigen Jahren im Fokus der öffentlichen Diskussion und wenige Begriffe haben in den letzten Jahren eine derartige Konjunktur erlebt wie jener der Sicherheit. Seit 9/11 wird versucht mit der Sammlung, Bewertung und Auswertung von Daten scheinbar mehr Sicherheit zu erzeugen. Die Grundprämissen bürgerlicher Freiheit geraten in Widerspruch zum staatlichen und privaten Interesse an Kontrolle. Hinzukommt, dass die Fortschritte in der Kommunikationstechnik und die „digitale Revolution“ des Web 2.0 neue Herausforderungen und Verschiebungen in Bezug auf das Verhältnis von Überwachung und Freiheit einerseits und Öffentlichkeit und Privatsphäre andererseits ergeben haben.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass technischer Fortschritt immer neue Möglichkeiten der Überwachung und Kontrolle mit sich brachte: Mit Funk und Tonband konnten Gespräche abgehört werden, bei denen der Lauscher nicht mehr persönlich anwesend war. Die Erfahrungen des Dritten Reiches und der ehemaligen DDR prägten die Diskussion um Sicherheit und Kontrolle, die schließlich in der Debatte um den großen Lauschangriff Ende der 1990er Jahre einen ersten Höhepunkt fand. Früher hatten oft nur staatliche Stellen Zugang zu den Techniken des Überwachens, Belauschens und Datensammelns. Heute kann sich jeder fertig konfigurierte Abhörwanzen oder Geheimkameras bei im Internet bestellen und selbst zum „Kontrolleur“ werden.

Mit der Entwicklung der Computertechnik eröffnete sich generell eine neue Dimension in der Überwachung des Einzelnen. In der öffentlichen Debatte – die mit der Volkszählung 1987 begann – mischten sich diffuse Ängste mit begründeten Zweifeln an der Sicherheit der eigenen Daten. Die Entwicklung des Internets ermöglichte es nicht nur dem Staat, sondern auch Wirtschaftsunternehmen, persönliche Daten einfach zu sammeln. Paradoxerweise geht die gesteigerte Sensibilität für den Datenschutz mit der bedenkenlosen freiwilligen Preisgabe persönlicher Daten im Internet oder per Kundenkarten einher. In sozialen Netzwerken – wie twitter oder facebook –, die heute zu den populärsten Kommunikationsplattformen im Internet gehören, werden bereitwillig private Bilder und Daten preis gegeben ohne sich bewusst zu machen, wohin diese weiter wandern. Die vollständige Transparenz für alle Dokumente, die von öffentlichem Interesse sind, hat sich Wikileaks auf die Fahnen geschrieben. Die Internetplattform bietet die Möglichkeit, Informationen anonym zu veröffentlichen, die Regierungen, Unternehmen und Institutionen gerne geheim halten wollen. Dabei wird angesichts der neuesten Enthüllungen in der Öffentlichkeit scharf diskutiert, wie viel Transparenz eigentlich sein muss oder sein darf.

Wann immer sich Kommunikationstechniken, in diesem Fall das Internet, weiter entwickeln, werden neue Strategien der Kontrolle sowie des Datenschutzes entwickelt. Auch in den kommenden Jahren wird es bezüglich des Web2.0 immer wieder Debatten um die Phänomene des Datenschutzes und der Sicherheit zum einen und des Wissens für alle zum anderen geben. Die Frage der Überwachung ist daher zu einem zentralen Thema aktueller politischer Debatten geworden und von großer Bedeutung im Streben nach informationeller Selbstbestimmung.

Im Zuge dieser Entwicklungen ist es gerade für die Museen der Kommunikation eine Herausforderung (und Chance zugleich) sich mit den „Medien unter Kontrolle“ auseinanderzusetzen. Als außerschulischer Bildungsort sollen sie sowohl in der Praxis als auch in der Theorie Medienkompetenz vermitteln. Dies gelingt allerdings nur, wenn man neben den historischen Exponaten versucht, auch die neuesten Phänome der Medien auszustellen und diese damit ins Bewusstsein der Besucherinnen und Besucher – egal welchen Alters – zu rücken.

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